VHS, Diskette und Co: vergessene Datenträger – einzigartige Erinnerungen

Ich habe kürzlich ausgemistet. Seit Jahren ungeöffnete Kisten und selten genutzte Schubladen mussten dran glauben. Vieles habe ich weggeworfen, bei einzelnen Stücke jedoch zögerte ich. Teilweise, weil persönliche Erinnerungen damit verknüpft sind. Teilweise, weil ich in ihnen schon beinahe Museumsgegenstände sah, die möglicherweise einmal wertvoll werden könnten. Ging es mir bei manchen CD- und DVD-Raritäten um den Inhalt, so war es bei anderen Speichermedien der Datenträger selbst, den ich nicht hergeben mochte.

So entschloss ich mich, pro Speichermedium mindestens ein Exemplar zu behalten und in meinem Büro eine kleine Ausstellung einzurichten. Nun findet sich oben auf dem Bücherregal je eine Videokassette (VHS), Audiokassette, Mikrokassette, Mini-Disc und 3,5-Zoll-Diskette. Sogar eine grosse 5,25-Zoll-Diskette – lange ist’s her! – kam noch zum Vorschein.

Mit Letzterer sind meine allerersten Computer-Erfahrungen verbunden. Ich erinnere mich, wie ich als Kind einen PC der Marke Schneider in meinem Zimmer hatte, dessen Aufstarten unendlich viel Geduld brauchte: Der Reihe nach musste ich verschiedenfarbige 5,25-Zoll-Disketten einlegen, um danach einfache Programme (vor allem zum Schreiben) zu nutzen. Der Ausdruck dauerte Ende der 1980er-Jahre ebenfalls eine ganze Weile und erfolgte auf einem Lochpapier. Das waren noch Zeiten!

Platz für ein halbes Foto

Die Standard-Speicherkapazität der ultradünnen und empfindlichen 5,25-Zoll-Diskette lag bei 360 Kilobyte. Ihr Nachfolger, die 3,5-Zoll-Diskette, konnte immerhin die vierfache Datenmenge speichern – was heute jedoch nicht mal für ein einzelnes Foto reichen würde…

Die MiniDisc war ein Sony-Audioformat zur Zeit des Jahrtausendwechsels. Sie galt als potenzieller Nachfolger der Compact Disc (CD). Sie hatte einige Vorteile wie Handlichkeit oder Wiederbeschreibbarkeit. Der Ruhm der MiniDisc war allerdings von kurzer Dauer: Ehe sie sich richtig durchsetzen konnte, war mit MP3 bereits ein neues, beliebteres Format da.

Als Journalist verwendete ich in den Nullerjahren gelegentlich Diktiergeräte mit Mikrokassetten – vor allem für die Aufnahme besonders wichtiger Interviews, bei denen es auf den genauen Wortlaut ankam. Ein Gespräch aufzunehmen und danach zu transkribieren, also Wort für Wort abzuschreiben, ist jedoch mit viel grösserem Aufwand verbunden, als wenn man sich während dem Gespräch handschriftliche Notizen macht. Weil Zeit ein Gut ist, das im Tagesjournalismus sehr knapp ist, nutzte ich Mikrokassetten nur ganz selten.

Audiokassette mit Kabel für CD-Player

Grossen Erfolg hatten indes die Audio- und die Videokassette. Sie sind die Klassiker der 1980er-Jahre. Die Audiokassette hatte die Schallplatte abgelöst, ehe sie Jahre später ihrerseits der CD Platz machte. Mein erstes Auto begnügte sich noch mit einem Kassetten-Player. Ich jedoch hatte Ende der 1990er-Jahre eine stattliche CD-Sammlung. Die Lösung, um meine Lieblingsmusik im Auto hören zu können, lag in einer Kassette mit angehängtem Audiokabel. Ja, das gab es tatsächlich! Diese Vorrichtung ermöglichte mir, meinen CD-Player (Discman) mit dem Autoradio zu verbinden.

VHS-Kassetten in Echtzeit digitalisieren

Die Videokassette (VHS) schliesslich war der Vorgänger der DVD. Mit ihr habe ich noch heute zu tun. Etwa wenn im Rahmen eines Firmenchronik-Projekts altes Videomaterial digitalisiert werden muss. Funktionstüchtige VHS-Player werden zwar immer seltener – die Hardware stirbt meist vor der Software –, doch verfüge ich über ein restauriertes Gerät, welches ich gut hüte. Zum Digitalisieren verbinde ich es mit dem PC. Die Aufnahme von Bild und Ton erfolgt in Echtzeit. Die Qualität ist natürlich nicht mit heutigen Videos zu vergleichen, doch die Erinnerungen sind einzigartig. Sie sind es wert, gerettet zu werden.

 

 

Roger Häni
Firmenchronik Schweiz

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